Kunstbulletin | Stefan Wagner







Christian Waldvogel bei Herrmann Germann Contemporary


Kunstbulletin 10 / 2012

Christian Waldvogel näherte sich vor zwei Jahren medienwirksam der Schallgrenze. In einem Kampfflugzeug raste er mit 1158 Sachen über die Schweiz. Mit einem Fotopapier, das er an die Cockpitscheibe hielt, bewies er, dass er über der Erde still stehen konnte. Die Sonne hatte nur einen Punkt hinterlassen, weil die Rotationsgeschwindigkeit der Erde 1158 km/h beträgt und er im Flugzeug gegen dieses Drehmoment anflog. Seine aktuelle Ausstellung ‹Antichthon - A Possibly Discredited Theory and Thus a Paradise Less› geht es etwas ruhiger, kontemplativer an. Bilder von Steinen, eine schwarze, an einen Meteoriten erinnernde PU-Skulptur sowie eine Dunkelkammer führen das Publikum in eine Zone zwischen Tatsachen und Fiktion. Waldvogel hat sich den griechischen Philosophen Philolaos und seine Theorie zum hypothetischen Himmelskörper Antichthon vorgenommen. Den Beweis für dessen Existenz erbringen nächsten Sommer zwei NASA-Sonden, die sich hinter der Sonne kreuzen. Waldvogel formuliert die Sehnsucht nach einer anderen, besseren Welt. Bei ihm allerdings sind die Kosten für die (mentalen) Reisen in neue Gefilde im Gegensatz zur geldverschlingenden Curiosity Mission zum Mars moderat. Kunst muss entgegen allen Unkenrufen nicht unbedingt teuer sein, sie erweitert aber wesentlich den eigenen Horizont.

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