Die Plattform im Monolithe

Das Panorama der Schlacht von Murten als Ziel einer Wanderung.
Der Begriff "Panorama" (pan: griech. alles; horama: griech. Blick, Aussicht) wird seit jeher für die Bezeichnung von Berggipfeln und geografisch exponierten Lagen genutzt. Waren die ersten Panoramabilder noch reine Stadt- oder Landschaftsdarstellungen, wurden seit dem 19. Jhdt Ereignisse mit komplizierten Handlungsabläufen dargestellt. Die Szenografie "Bodenmünzi, 526m ü.M." trägt der Brisanz der auf dem "Panorama de la Bataille de Morat" dargestellten Schlächterei Rechnung, indem der Ausstellungsbesuch in den Kontext einer Wanderung hin zu einem Aussichtspunkt gestellt wird. Der Fokus liegt bei der Inszenierung des "virtuellen" Raumerlebnisses und der Darstellung des Panorama als Typus und nicht bei der Erklärung und Glorifizierung der Ereignisse der Schlacht von Murten und deren historischem Kontext.

Die Architektur.
Die Wanderung als Thema findet ihr Pendant in der Architektur, welche nach den vermeintlichen Richtlinien der Verkehrs- und Verschönerungsvereine der Schweiz ausformuliert ist; offizielle Gestaltung von Amtes wegen sozusagen. Alles ist strikte nach Gebrauchstauglichkeit, Dauerhaftigkeit und Einfachheit ausgelegt, Gestaltung von Amtes wegen sozusagen. Aus dem Fundus der Standardprodukte und -konstruktionsweisen werden jene ausgewählt, welche im ikonografischen Sinne für "Aussichtspunkt" und "Aussenraum" stehen. Auf der Plattform versammeln sich -wie es sich für ein rechtes Belvedere gehört- Münzfernrohre, Sitzbänke, Panoramatafeln, Wegweiser und Abfallbehälter zu einem Gipfel-Ensemble, wie wir es alle kennen aus Freizeit und Kindheit.
Querschnitt
 
Das Gipfelensemble
 

Das Eingangsgeschoss.
Die Verkleidung des statischen Unterbaus der Plattform wiederspiegelt diejenige der Monolith-Innenseite und trägt somit zur Notion des Aufgangs als Ausgang bei. Die Materialstimmung entspricht in ihrer schweizerischen Nüchternheit derjenigen einer Seilbahnstation. Der Plattformaufgang ist als klassische, feuerverzinkte und mit Holzbohlen belegte Stahlwangentreppe mit seitlich angebrachten Behindertentreppenliften ausgeführt.

Die Plattform.
Der Holzbohlenboden mit offenen Fugen wird nach aussen durch ein Aluminiumtypengeländer begrenzt. Die Münzfernrohre geben den Blick frei auf eine völlig andere Dimension und Massstäblichkeit des Rundgemäldes: in der Ebene der Malerei an sich erkennt der Beobachtende feinste Pinselstriche und unzählige Details.
Grundriss Plattform
 

Das Fauxterrain.
Die historische Typologie des Panoramas sieht vor, das zweidimensionale Gemälde mittels dem (dreidimensionalen) Fauxterrain zu einer räumlichen Einheit zu verschmelzen. Basis dieser Absicht bildet eine möglichst perfekte Weiterführung des im Gemälde Gezeigten in den Raum. Im vorliegenden Projekt wird an Stelle des kulissenhaften Fauxterrain eine Textilbespannung vorgeschlagen, welche die Topografie skizzenhaft nachzeichnet.

Das Velum.
Über der Plattform begrenzt ein mit dunklem Baumwollstoff bespannter Stahlreif das Blickfeld der Besucher nach oben.
Emaille-Plakette