| Vehikel zur Beschreibung von Neuem. |
System zur Erklärung von noch nicht verstandenen Sachverhalten. |
|
|
Abbild,
Philosophie:
erkenntnistheoretischer Grundbegriff: die
Wiederspiegelung der Wirklichkeit im Wahrnehmen, Vorstellen und
Denken des Menschen.
Abbildtheorie, Philosophie: die erstmals von den griechischen Atomisten
Leukipp und Demokrit vertretene Lehre, dass jede Erkenntnis nur
eine Abbildung oder Wiederspiegelung der als unabhängig
vom Subjekt angenommene Wirklichkeit sei. [..] Nach Thomas von
Aquino stehen Vorstellung und vorgestellter Gegenstand in einem
Abbildungsverhältnis, analog dem von Urbild und Abbild.
[..] Die dialektisch-materialistische Abbildungstheorie geht
davon aus, dass sich im Bewusstsein des Menschen als Subjekt
die materielle Welt (auch die Klassen- und Produktionsverhältnisse)
adäquat widerspiegelt. Die Sprache wird hier als ein
(abstrahiertes) Abbild der Wirklichkeit im menschlichen
Bewusstsein begriffen. [...]
Ähnlichkeit Geometrie:
Gleichheit der Form
geometrischer Figuren, nicht notwendigerweise ihre
Deckungsgleichheit (kongruent). [...] Philosophie: zwei Gegenstände heissen ähnlich, wenn
es eine Abbildung auf den anderen gibt, bei der wesentliche
Eigenschaften erhalten bleiben. Während bei der Analogie
die Übereinstimmung gewisser Merkmale im Vordergrund
steht, ist für die Ähnlichkeit die abbildende
Beziehung wichtig. -> kongruent,
Analogie
Allegorie, [griech., eigtl. 'das Anderssagen']:
verstandesmässig fassbare Darstellung eines abstrakten
Begriffs oder Vorgangs, oft in Form der Personifikation. Im
Unterschied zum 'sinnenfälligen' Symbol enthält die
Allegorie eine gedanklich-konstruktive Beziehung zwischen dem
Dargestellten und dem Gemeinten. Ihr Sinn muss durch die oft
versteckt gegebenen Hinweise erschlossen werden (im Unterschied
zur Metapher). -> Metapher
Analogie, allgemein: Gleichartigkeit, Ähnlichkeit,
Entsprechung.
Philosophie:
Verhältnis der
Entsprechung zwischen in bestimmten Punkten ähnlichen,
aber nicht identischen Gegenständen oder Vorgängen.
[...] -> Ähnlichkeit
Bild, Kommunikationswissenschaft:
visuelles Zeichen zur
Bedeutungsübermittlung in Ausdruck, Aufforderung oder
Darstellung, unvermittelt durch Mimik, Gestik, Haltung
(Körpersprache), vermittelt durch Abbildung oder
Aufzeichnung von Umwelt oder Symbolisierung von Innen- oder
Aussenwelt.
Literatur: zusammenfassender Begriff für Metapher
und Gleichnis (Vergleich); der plötzliche Wechsel der
Vorstellungsebene durch das Bild gibt der Aussage besondere,
meist emotional gefärbte Intensität. Bildlichkeit der
Sprache gehört wesentlich zur Dichtung, besonders zur
Lyrik. [...] -> Allegorie,
Emblem, Symbol
Code, Sprachwissenschaft:
das Inventar von sprachlichen
Zeichen, für deren Anwendung dem Sprecher/Schreiber ein
System von Regeln zur Verfügung steht. Der Aktivität
des Sprechers / Schreibers (Codierung) steht der
Verstehensprozess des Hörers / Lesers gegenüber.
[...]
Darstellung, allgemein: Die Wiedergabe von Sachverhalten, Inhalten,
Erkenntnissen, Erlebtem durch Wort, Schrift, Bild, Zeichnung,
Formel; durch künstlerische Gestaltung oder
Nachgestaltung, auch Verkörperung einer Rolle; in der
Medizin auch das Sichtbarmachen durch Röntgen- und
Ultraschallaufnahmen, in der Chemie das Herstellen eines
Stoffes, u.a. in der Physik die Nachbildung der Realität
als Modell.
Emblem, allgemein:
Sinnbild, Symbol,
Wahrzeichen. Kunst und
Literatur: im engeren Sinne
eine aus Bild und Text zusammengesetzte Kunstform. Diese
besteht 1) aus einem meist allegorisch gemeinten Bild (Ikon
[...]), das ein sinnfälliges, oft auch merkwürdiges
Motiv aus Natur, Kunst, Historie, biblischer Geschichte oder
Mythologie darstellt, nach dem Vorbild der Hieroglyphik oft
auch nur Teile daraus; 2) aus dem Lemma (Titel, Motto,
Inscriptio), das über dem oder auch im Bild angebracht ist:
ein knappes Diktum in lateinischer oder griechischer Sprache,
häufig ein Klassikerzitat; 3) aus der unter dem Bild
stehenden Subscriptio (Unterschrift), oft als Epigramm, aber
auch in anderen gebundenen Formen oder in Prosa. Die
Subscriptio erläutert den im Bild verschlüsselt oder
allegorisch dargestellten Sinn des Emblems, der sich auf ein
moralisches, religiöses oder erotisches Thema beziehen
kann oder eine allgemeine Lebensweisheit aussagt.
-> Ikon,
Symbol, Bild
Fabel [von lat. fabula 'Erzählung', 'Sage']:
kurze Erzählung mit lehrhafter Tendenz, in der zumeist
Tiere menschliche Eigenschaften und Verhaltensweisen
verkörpern. In ihrem antithetischen Aufbau, der
Darstellung einer dramatischen Handlungsumkehr und der
Ausrichtung auf eine wirkungsvolle Schlusspointe zielt die
Fabel auf die Versinnbildlichung einer allgemein gültigen
Sentenz, auf religiöse, moralische oder praktische
Belehrung oder Kritik.
Gleichnis: Form des sprachlichen Vergleichs, bei dem ein
Vorgang, auch eine Vorstellung oder ein Zustand durch einen
entsprechenden Sachverhalt aus einem anderen, sinnlich
konkreten, dem Vorstellungsvermögen der Leser näher
stehenden Bereich veranschaulicht wird, wobei beide
Vorstellungen in einem wesentlichen Moment, dem Tertium
comparationis, zusammenfallen. Während der blosse
Vergleich zwei Einzelvorstellungen einander zuordnet, erweitert
das Gleichnis das Vergleichsmoment zu einem
selbstständigen Zusammenhang. Anders als bei der Metapher
setzt das Gleichnis das Bild nicht an die Stelle der Sache,
sondern stellt beides, meist durch eine Konjunktion verbunden,
nebeneinander. Darin unterscheidet sich das Gleichnis auch von
der Parabel, aus der der gemeinte geistige oder sittliche
Grundsatz erst durch Analogie erschlossen werden muss.
-> Vergleich,
Metapher, Parabel, Bild
Ikonologie [griech. eikonología 'das Sprechen in
Bildern']: ursprünglich eine Sammlung ikonografischer
Elemente (Symbole, Attribute) für den praktischen
künstlerischen Gebrauch. [...] Seit Anfang des 20.
Jahrhunderts versteht man unter Ikonologie eine
kunstwissenschaftliche Methode, die die Zusammenhänge von
Bildinhalten von Kunstwerken und deren Funktion innerhalb eines
Bildprogramms oder eines bestimmten räumlichen
Zusammenhangs vor dem Hintergrund eines bestimmten geistigen
Gesamtkonzepts untersucht. -> Symbol,
Piktogramm, Bild
Kenning [altnord. 'Erkennung']: in der altnordischen
Skalendichtung die zwei- oder mehrgliedrige bildliche Umschreibung
einfacher Begriffe. Die Kenning spielt häufig mit dem
Vermischen zweier unterschiedlicher Vorstellungsbereiche und
bemüht sich dabei weniger um Anschaulichkeit als um
gedankliche Assoziationen.
kongruent [lat. 'übereinstimmend', 'entsprechend']:
in allen Punkten übereinstimmend, völlig gleich. Geometrie: deckungsgleich. Zwei geometrische Figuren
heissen kongruent, wenn sie in Grösse und Gestalt
übereinstimmen; kongruente Figuren lassen sich durch eine
Kongruenzabbildung (Bewegung) ineinander überführen.
Die Kongruenz ist eine strengere Form der Ähnlichkeit. -> Ähnlichkeit
Konnotation [zu lat. con... 'mit' und notation
'Bezeichnung']: Sprachwissenschaft:
die die Grundbedeutung
eines Wortes überlagernde (subjektive, emotionale,
assoziative) Nebenbedeutung, Begleitvorstellung im Gegensatz
zur Denotation.
Metapher [griech. 'Übertragung', zu
metaphérein 'anderswohin tragen']: sprachliches
Ausdrucksmittel der uneigentlichen Rede; das eigentlich
gemeinte Wort wird ersetzt durch ein anderes, das eine
sachliche oder gedankliche Ähnlichkeit oder dieselbe Bildstruktur
aufweist. Die Sprache springt dabei, im Unterschied zur
Metonymie, gleichsam von einem Vorstellungsbereich in einen
anderen. Metaphern treten in einer solchen Vielfalt auf und
berühren sich auch mit anderen Tropen, dass eine
eindeutige Klassifizierung und Abgenzung nicht immer
möglich ist. Unbewusste Metaphern, von denen es in der
Alltagssprache eine Fülle gibt, sind einmal die
'notwendigen Metaphern'. Sie treten ein, wenn die Sprache
für die Bezeichnung einer Sache keine eigentliche
Benennung kennt. Notwendige Metaphern entstehen stets von
neuem, wenn das Bedürfnis nach Benennung neuer Sachen und
Phänomene auftritt, auch in Wissenschaft und Technik. Zu
diesen metaphern treten die verblassten, konventionalisierten,
selbstverständlichen Metaphern (auch Ex-Metaphern, tote
Metaphern). Die bewussten Metaphern werden ihrer poetischen,
stilistischen Wirkung wegen gesetzt. Die Metapher ist
Kennzeichen schöpferischer Fantasie, sie kann für den
Grad der Versinnlichung und der Vergeistigung einer Aussage
bedeutsam sein. -> Metonymie,
Synonym
Metonymie [griech. 'Namensvertauschung']: Figur, bei der
zwei in räumlicher, zeitlicher oder ursächlicher
Beziehung zueinander stehende Begriffe vertauscht werden. -> Kenning
Motto [ital. von spätlat. muttum 'Wort',
eigentlich 'Muckser']: Wahl- oder Leitspruch, z.B. Satz, der
einem Buch oder Kapitel zur Kennzeichnung des Inhalts oder der
Absicht des Verfassers vorangestellt wird.
Parabel [lat. parabola 'Gleichnis', eigtl. 'das
Nebeneinanderwerfen']: Poetische Ausdrucksform, bei der
allgemeine moralische Wahrheiten durch näher beschriebene,
wie in einem Gleichnis zu deutende Vorgänge aus dem
menschlichen Leben veranschaulicht werden. In der Parabel sind
wie in der Allegorie alle Einzelteile ausdeutbar. Sie
bedürfen, zumindest in den Hauptzügen, der Auslegung
durch den Autor der Parabel, während das Gleichnis den
Analogischluss (so .... wie) selbst erklärt. Das Gleichnis
kann daher auch als eine erzählerisch ausgeführte
Parabel betrachtet werden. Die Parabel steht auch der Fabel
nahe, die ihre Stoffe jedoch der Natur und dem Tierleben
entnimmt.-> Gleichnis,
Analogie
Paradigma [griech.] Philosophie: nach Platon sind Paradigmen die Urbilder der
sinnlich wahrnehmbaren Dinge. Sie werden für ewig, unveränderlich
und ermöglichend gehalten, während die nach ihnen
gestalteten innerweltlichen Dinge veränderlich und
vergänglich sind. [...] In der Spätphilosophie von
Ludwig Wittgenstein sind Paradigmen 'Muster' oder 'Standards',
nach den die Erfahrung verglichen und beurteilt wird. Die
Paradigmen gehen der Erfahrung voraus und ermöglichen
unsere Orientierungen.
Perspektive [zu spätlat. perspectivus 'durchblickend']:
bildungssprachlich für: 1) Betrachtungsweise,
-möglichkeit von einem bestimmten Standpunkt aus,
Blickwinkel; 2) Aussicht, Erwartung für die Zukunft. Darstellende Geometrie und Bildende
Kunst: die zweidimensionale,
ebene bildliche Darstellung dreidimensionaler (räumlicher)
Objekte mit Hilfe einer Zentralprojektion [...] die dem
Betrachter ein anschauliches ('naturgetreues') Bild des Objekts
vermittlen, d.h. den gleichen Bildeindruck hervorrufen soll wie
das Objekt selbst. -> Projektion
Piktogramm [zu lat. pingere, pictum 'malen']: Bildsymbol,
allgemein verständliche, stilisierte bildliche Darstellung
zur (von Schrift und Sprache unabhängigen)
Informationsvermittlung [...] -> Ikonologie
Projektion [lat. proiectio 'das Hervorwerfen']: Geometrie: allgemein jede surjektive Abbildung [...]. Ökonometrie: Aussage über den Verlauf einer
zukünftigen Entwicklung bzw. über den
zukünftigen Wert ökonomischer Variablen. Psychologie: das Hinausverlegen subjektiver Einstellungen in
Personen, Gegenstände oder Situationen der Aussenwelt.
[...]
Synonym [griech.]: Wort, das mit einem anderen Wort
oder mit einer Folge von Wörtern derselben Sprache
bedeutungsgleich, -ähnlich oder sinnverwandt ist.
Symbol [lat. symbolum, von griech. symbolon
'(Kenn)zeichen' eigentlich 'Zusammengefügtes' (nach den
zwischen verschiedenen Personen vereinbarten Erkennungszeichen,
die, aus Bruchstücken zusammengesetzt, ein Ganzes
ergeben)]: [...] ein wahrnehmbares Zeichen, bzw. Sinnbild
(Gegenstand, Handlung, Vorgang) das stellvertretend für
etwas nicht Wahrnehmbares (auch Gedachtes bzw Geglaubtes)
steht.
Vergleich Rhetorik: rhetorische Figur zur Steigerung der
Anschaulichkeit einer Aussage, wobei mit Hilfe von
Vergleichswörtern zwischen zwei Wirklichkeitsbereichen,
die in einem Punkt Übereinstimmung aufweisen müssen,
eine Beziehung hergestellt wird.
Quelle: Brockhaus Die Enzyklopädie, Ausgabe 1996
|
Gott
[ahd. got,
vielleicht eigtl. >das (durch Zauberwort) angerufene
Wesen<, zu einem indogerman. Verb mit der Bedeutung
>anrufen<], in der Religionsgeschichte heilige, transzendente und unendl. Macht in
personaler Gestalt. Gott wird erfahren und gelehrt als
Schöpfer und damit Ursache allen Naturgeschehens, als Herr
über Leben und Tod, der in die Welt eingreift, das
Schicksal der Menschen lenkt (in geistiger Form, durch Boten,
z. B. Engel, oder indem er ird. Gestalt annimmt) und als
Richter am Ende der Zeiten auftritt, als erhaltender Urgrund
von allem, was ist, als normativ für das sittl. Verhalten
der Menschen, als Ggs. zum Irdischen, das schlechthin Andere.
Viele zur Charakterisierung des Göttlichen gewählte
Bestimmungen (>Person<, >männlich(, >weiblich(
u.a.) sind den menschlichen Verhältnissen nachgebildet
(anthropomorph) und gelten daher nur metaphorisch. Gott wird
)gerufen<, Formen seiner Präsentation sind sein als
heilig geltender Name sowie häufig auch sein Bild. Die
Fülle göttl. Qualitäten und Prädikate
vereinigt der Monotheismus auf eine einzige Gottheit,
während der Polytheismus die göttl. Funktionen als
auf versch. Gottheiten verteilt annimmt.
Polytheist. Götter genießen
seitens des Menschen keine einheitl., sondern eine sehr
differenzierte Verehrung. Häufig findet sich innerhalb des
Polytheismus ein subjektiver Monotheismus, der dem
Gläubigen, v. a. beim Gebet, den von ihm verehrten Gott
als alleinigen erscheinen lässt, auf den er die Attribute
anderer Gott überträgt. Diese Erscheinung wird als
Henotheismus bezeichnet. Die Geschichte Gottes vermittelt in
den polytheist. Religionen der Mythos, im Monotheismus
verleihen die hl. Schriften der göttl. Offenbarung
Ausdruck, durch sie werden die Geschichte und der Wille Gottes
mit und für den Menschen erfahrbar.
Der Gottes-Glaube ist kennzeichnend und von zentraler
Bedeutung für die Vorstellungswelt fast aller Religionen.
Die Frage nach dem Ursprung von Gottes-Vorstellungen wird i.
Allg. mit der Frage nach dem Ursprung der Religion
gleichgesetzt und hat in der Geschichte der Religionsforschung
zu unterschiedl. Hypothesen geführt. EUHEMEROS VON MESSENE
sah den Gottes-Glauben in der Verehrung früherer ird.
Herrscher und als weise geltender Menschen gegründet
(->Euhemerismus). In neuerer Zeit sind über den
Ursprung des Gottes-Glaubens verschiedene evolutionist.
Theorien aufgestellt worden. So vertrat E. B. TYLOR Mit seinem
->Animismus die Ansicht, die Gottes-Vorstellung habe sich
aus einem primitiven Glauben an Allbeseeltheit, an Geister in
jeder Form, entwickelt. Demgegenüber sieht der Dynamismus
die von ihm meist mit dem nielanes. Wort —>Mana
bezeichnete unpersönl. und übernatürl. Macht als
primäres religiöses Erlebnis an; ein solcher
Machtbegriff sei dann in die Vorstellung eines persönl.
Gott übergegangen. In der neueren Forschung zeigt sich
zunehmend die Abwehr eines ->Evolutionismus, der die
Entwicklung der Religion aus primitiven Anfängen des
Seelen- oder Machtglaubens bis zum Monotheismus meinte
verfolgen zu können. Häufig vorherrschend ist heute
die Annahme eines ursprüngl. Hochgottglaubens. Am
bekanntesten ist die von dem Ethnologen WILHELM SCHMIDT
vertretene Urmonotheismustheorie geworden, die von der
Uroffenbarung des einen (christl.) Gott ausgeht und dann die
allgemeine Religionsgeschichte unter der Perspektive des
Verlustes dieser Offenbarung sieht. Demgegenüber versucht
die historisch-empirisch orientierte Religionswiss. die histor.
Rahmenbedingungen zu erfassen, unter denen bestimmte Typen von
Gottes-Vorstellungen aufgetreten sind. So sei eine Trennung zw.
unpersönl. und persönl. Gottes-Vorstellung erst
möglich, wenn die kulturellen Bedingungen )Person( als
Deutungskategorie zulassen.
Der Gottes-Begriff der Bibel ist
monotheistisch, unterscheidet sich vom religionsgeschichtl.
Monotheismus jedoch durch eine Transzendenz, die alles
Räumliche, Zeitliche, überhaupt Welthafte
übersteigt. Gott ist der absolute Schöpfer und Herr
des Kosmos, eine Theogonie ist undenkbar. Kenntnis von Gott
gewinnt der Mensch ausschließlich aus der sich in
Schöpfung und Geschichte erschließenden
Selbstmitteilung (Offenbarung) Gottes; erst die jüd.
Scholastiker wie MAIMONIDES, ABRAHAM BEN DAVID IBN DAUD u.a.
hielten Gottes Dasein, Einheit und Unsterblichkeit für
beweisbar. Das jüd. Gottesverständnis wird v. a.
durch die Aussagen über Gott in 2. Mos. 3,14, der
Selbstoffenbarung seines Namens (hebr. Jahwe: >ich werde
sein, der ich sein werde< und in 2. Mos. 20,1-7, der
Gesetzgebung im Sinai, bestimmt (Gott ist der Herr, der
Heilige, der Eine, der Barmherzige, der Zornige. Der Mensch
soll und kann sich kein Bild von ihm machen). Gott wird als der
Gott Israels bezeugt. Nach christl. Gottes-Verständnis hat
sich Gott als der Gott aller Völker in einmaliger und
vollkommener Weise in JESUS CHRISTUS offenbart. Dieser ist nach
neutestamentl. Verständnis das alleinige Bild Gottes (Kol.
1, 15), nur in ihm kann der Mensch Gott erkennen; in CHRISTUS
ist Gott Mensch (>Fleisch< geworden (Joh. 1, 14). Von
zentraler Bedeutung für das christl.
Gottes-Verständnis ist die Aussage >Gott ist Liebe<
(1. Joh. 4,8. 16.), die in ihrer Entfaltung Gott als den
liebenden Vater beschreibt, der denen, die an ihn glauben,
durch seinen Sohn JESUS CHRISTUS das ewige Leben schenken wird.
Die kath.
Theologie hat (auf der
Grundlage der Hellenisierung des frühen Christentums)
durch den Versuch, Gott und Gottes-Erfahrung mit den Mitteln
der v.a. platonisch-aristotel. Philosophie zu verstehen, vieles
von der dynamisch-geschichtl. Gottes-Vorstellung der Bibel an
ein philosoph. Seinsdenken verloren. Obwohl die Kirche schon in
den christolog. Auseinandersetzungen des 4. Jh. (-Christologie,
—>JESUS CHRISTUS) die massgebl. Gestalt ihrer
Gottes-Lehre mit den Aussagen über Gottes dreifaltiges
Wesen und Wirken in Schöpfung, Erlösung, Heiligung
und Vollendung gefunden hatte, blieb die ->Trinität (v.
a. in der westl. Kirche) als Ursprung der Heilsgeschichte
weitgehend von den philosoph. Systembildungen über Gott
als das >Sein an sich< (>ens a se<, das dem
geschaffenen Sein (>ens ab alio< als >das ganz
andere< gegenübersteht, und über seine philosoph.
Beweisbarkeit verdeckt. Erst die kath. Gegenwartstheologie
besinnt sich wieder stärker auf die existenziellen
Aussagen der Bibel über Gott (>Gott hilft<, >Gott
ist da< usw.).
Die Gottes-Lehre und -Anschauung der reformator. Kirchen sind
im Wesentlichen ein Spiegelbild der verschiedenartigen
Theologien der drei Hauptreformatoren LUTHER, CALVIN und ZWINGLI. Gemeinsam ist ihnen der
Ausgangspunkt in der Christologie. - Für LUTHER ist Gott
in der Natur und dem Gesetz verborgen (Deus absconditus),
dagegen offenbart er sich im paradoxen Geschehen des Leidens
und Sterbens seines Sohnes am Kreuz (Deus revelatus; Theologia
crucis). LUTHER betont deshalb in bewusstem Ggs. zur kath.
Tradition die existenzielle Bedeutung von Gnade, Macht und Wirksamkeit Gottes. - Nach CALVIN
vermag der Mensch Gott nicht adäquat zu erkennen, wenn
dieser sich ihm nicht in seinem Wort (d.h. in JESUS CHRISTUS)
erschließt. Gottes Handeln geschieht um seiner eigenen
Ehre und Selbstverherrlichung willen, die sich sowohl in
erwählender Liebe als auch in strafender Verdammung
(->Prädestination) manifestieren kann, - ZWINGLI
bezeichnet zwar Gott im Sinne der scholast. Tradition als
Summum Bonum (höchstes Gut) betont aber v. a. die sich dem
Menschen zuwendene Güte Gottes in JESUS CHRISTUS. Für
ihn kann nur Gott durch seine Gnade kirchl. und polit.
Missstände beseitigen. Darum trägt ZWINGLIS
Gottes-Bild mehr als das LUTHERS und CALVINS Züge, die ins
Politische und Soziale hineinreichen.
Der Atheismus
des 19. Jh. sieht Gott als
Selbstprojektion des Menschen (L. FEUERBACH) bzw. als Ausdruck
eines verkehrten Weltbewusstseins und der Protestation gegen
das Elend der entfremdeten Existenz an (K. MARX); einzelne
Entwürfe der -Existenzphilosophie des 20. Jh. verzichten
ganz auf Gott und sehen den Menschen in unbegrenzter Freiheit
ins (unbehauste) Sein geworfen (J.-P. SARTRE).
Völkerkunde: Viele, auch sehr alte Religionen wie die mancher
Ureinwohner Australiens (Aborigines) oder der Buschleute
beinhalten den Glauben an ein höchstes Wesen, einen
Schöpfer oder Vorfahren der Menschheit oder des speziellen
Volkes, häufig >Unser aller Vater< o.Ä.
genannt, etwas seltener eine Muttergottheit, oft ein
göttl. Paar (Unsere Eltern<). Neben diesen
Schöpfergottheiten stehen höhere Wesen, die an der
Gestaltung der Erde beteiligt waren und bes. der einzelnen
Kultur wesentl. Gesetze, Institutionen u.a. wie Feuer oder
Anbaupflanzen gegeben haben (-Kulturheros).
Quelle: Brockhaus Die Enzyklopädie, Ausgabe 1996
|