Vehikel zur Beschreibung von Neuem.   System zur Erklärung von noch nicht verstandenen Sachverhalten.

Abbild, Philosophie: erkenntnistheoretischer Grundbegriff: die Wiederspiegelung der Wirklichkeit im Wahrnehmen, Vorstellen und Denken des Menschen.
Abbildtheorie, Philosophie: die erstmals von den griechischen Atomisten Leukipp und Demokrit vertretene Lehre, dass jede Erkenntnis nur eine Abbildung oder Wiederspiegelung der als unabhängig vom Subjekt angenommene Wirklichkeit sei. [..] Nach Thomas von Aquino stehen Vorstellung und vorgestellter Gegenstand in einem Abbildungsverhältnis, analog dem von Urbild und Abbild. [..] Die dialektisch-materialistische Abbildungstheorie geht davon aus, dass sich im Bewusstsein des Menschen als Subjekt die materielle Welt (auch die Klassen- und Produktionsverhältnisse) adäquat widerspiegelt. Die Sprache wird hier als ein (abstrahiertes) Abbild der Wirklichkeit im menschlichen Bewusstsein begriffen. [...]
Ähnlichkeit Geometrie: Gleichheit der Form geometrischer Figuren, nicht notwendigerweise ihre Deckungsgleichheit (kongruent). [...] Philosophie: zwei Gegenstände heissen ähnlich, wenn es eine Abbildung auf den anderen gibt, bei der wesentliche Eigenschaften erhalten bleiben. Während bei der Analogie die Übereinstimmung gewisser Merkmale im Vordergrund steht, ist für die Ähnlichkeit die abbildende Beziehung wichtig. -> kongruent, Analogie
Allegorie, [griech., eigtl. 'das Anderssagen']: verstandesmässig fassbare Darstellung eines abstrakten Begriffs oder Vorgangs, oft in Form der Personifikation. Im Unterschied zum 'sinnenfälligen' Symbol enthält die Allegorie eine gedanklich-konstruktive Beziehung zwischen dem Dargestellten und dem Gemeinten. Ihr Sinn muss durch die oft versteckt gegebenen Hinweise erschlossen werden (im Unterschied zur Metapher). -> Metapher
allegorisch: sinnbildlich, gleichnishaft.
Analogie, allgemein: Gleichartigkeit, Ähnlichkeit, Entsprechung. Philosophie: Verhältnis der Entsprechung zwischen in bestimmten Punkten ähnlichen, aber nicht identischen Gegenständen oder Vorgängen. [...] -> Ähnlichkeit
Bild, Kommunikationswissenschaft: visuelles Zeichen zur Bedeutungsübermittlung in Ausdruck, Aufforderung oder Darstellung, unvermittelt durch Mimik, Gestik, Haltung (Körpersprache), vermittelt durch Abbildung oder Aufzeichnung von Umwelt oder Symbolisierung von Innen- oder Aussenwelt. Literatur: zusammenfassender Begriff für Metapher und Gleichnis (Vergleich); der plötzliche Wechsel der Vorstellungsebene durch das Bild gibt der Aussage besondere, meist emotional gefärbte Intensität. Bildlichkeit der Sprache gehört wesentlich zur Dichtung, besonders zur Lyrik. [...] -> Allegorie, Emblem, Symbol
Code, Sprachwissenschaft: das Inventar von sprachlichen Zeichen, für deren Anwendung dem Sprecher/Schreiber ein System von Regeln zur Verfügung steht. Der Aktivität des Sprechers / Schreibers (Codierung) steht der Verstehensprozess des Hörers / Lesers gegenüber. [...]
Darstellung, allgemein: Die Wiedergabe von Sachverhalten, Inhalten, Erkenntnissen, Erlebtem durch Wort, Schrift, Bild, Zeichnung, Formel; durch künstlerische Gestaltung oder Nachgestaltung, auch Verkörperung einer Rolle; in der Medizin auch das Sichtbarmachen durch Röntgen- und Ultraschallaufnahmen, in der Chemie das Herstellen eines Stoffes, u.a. in der Physik die Nachbildung der Realität als Modell.
Emblem, allgemein: Sinnbild, Symbol, Wahrzeichen. Kunst und Literatur: im engeren Sinne eine aus Bild und Text zusammengesetzte Kunstform. Diese besteht 1) aus einem meist allegorisch gemeinten Bild (Ikon [...]), das ein sinnfälliges, oft auch merkwürdiges Motiv aus Natur, Kunst, Historie, biblischer Geschichte oder Mythologie darstellt, nach dem Vorbild der Hieroglyphik oft auch nur Teile daraus; 2) aus dem Lemma (Titel, Motto, Inscriptio), das über dem oder auch im Bild angebracht ist: ein knappes Diktum in lateinischer oder griechischer Sprache, häufig ein Klassikerzitat; 3) aus der unter dem Bild stehenden Subscriptio (Unterschrift), oft als Epigramm, aber auch in anderen gebundenen Formen oder in Prosa. Die Subscriptio erläutert den im Bild verschlüsselt oder allegorisch dargestellten Sinn des Emblems, der sich auf ein moralisches, religiöses oder erotisches Thema beziehen kann oder eine allgemeine Lebensweisheit aussagt. -> Ikon, Symbol, Bild
Fabel [von lat. fabula 'Erzählung', 'Sage']: kurze Erzählung mit lehrhafter Tendenz, in der zumeist Tiere menschliche Eigenschaften und Verhaltensweisen verkörpern. In ihrem antithetischen Aufbau, der Darstellung einer dramatischen Handlungsumkehr und der Ausrichtung auf eine wirkungsvolle Schlusspointe zielt die Fabel auf die Versinnbildlichung einer allgemein gültigen Sentenz, auf religiöse, moralische oder praktische Belehrung oder Kritik.
Gleichnis: Form des sprachlichen Vergleichs, bei dem ein Vorgang, auch eine Vorstellung oder ein Zustand durch einen entsprechenden Sachverhalt aus einem anderen, sinnlich konkreten, dem Vorstellungsvermögen der Leser näher stehenden Bereich veranschaulicht wird, wobei beide Vorstellungen in einem wesentlichen Moment, dem Tertium comparationis, zusammenfallen. Während der blosse Vergleich zwei Einzelvorstellungen einander zuordnet, erweitert das Gleichnis das Vergleichsmoment zu einem selbstständigen Zusammenhang. Anders als bei der Metapher setzt das Gleichnis das Bild nicht an die Stelle der Sache, sondern stellt beides, meist durch eine Konjunktion verbunden, nebeneinander. Darin unterscheidet sich das Gleichnis auch von der Parabel, aus der der gemeinte geistige oder sittliche Grundsatz erst durch Analogie erschlossen werden muss. -> Vergleich, Metapher, Parabel, Bild
Ikonologie [griech. eikonología 'das Sprechen in Bildern']: ursprünglich eine Sammlung ikonografischer Elemente (Symbole, Attribute) für den praktischen künstlerischen Gebrauch. [...] Seit Anfang des 20. Jahrhunderts versteht man unter Ikonologie eine kunstwissenschaftliche Methode, die die Zusammenhänge von Bildinhalten von Kunstwerken und deren Funktion innerhalb eines Bildprogramms oder eines bestimmten räumlichen Zusammenhangs vor dem Hintergrund eines bestimmten geistigen Gesamtkonzepts untersucht. -> Symbol, Piktogramm, Bild
Kenning [altnord. 'Erkennung']: in der altnordischen Skalendichtung die zwei- oder mehrgliedrige bildliche Umschreibung einfacher Begriffe. Die Kenning spielt häufig mit dem Vermischen zweier unterschiedlicher Vorstellungsbereiche und bemüht sich dabei weniger um Anschaulichkeit als um gedankliche Assoziationen.
kongruent [lat. 'übereinstimmend', 'entsprechend']: in allen Punkten übereinstimmend, völlig gleich. Geometrie: deckungsgleich. Zwei geometrische Figuren heissen kongruent, wenn sie in Grösse und Gestalt übereinstimmen; kongruente Figuren lassen sich durch eine Kongruenzabbildung (Bewegung) ineinander überführen. Die Kongruenz ist eine strengere Form der Ähnlichkeit. -> Ähnlichkeit
Konnotation [zu lat. con... 'mit' und notation 'Bezeichnung']: Sprachwissenschaft:  die die Grundbedeutung eines Wortes überlagernde (subjektive, emotionale, assoziative) Nebenbedeutung, Begleitvorstellung im Gegensatz zur Denotation.
Metapher [griech. 'Übertragung', zu metaphérein 'anderswohin tragen']: sprachliches Ausdrucksmittel der uneigentlichen Rede; das eigentlich gemeinte Wort wird ersetzt durch ein anderes, das eine sachliche oder gedankliche Ähnlichkeit oder dieselbe Bildstruktur aufweist. Die Sprache springt dabei, im Unterschied zur Metonymie, gleichsam von einem Vorstellungsbereich in einen anderen. Metaphern treten in einer solchen Vielfalt auf und berühren sich auch mit anderen Tropen, dass eine eindeutige Klassifizierung und Abgenzung nicht immer möglich ist. Unbewusste Metaphern, von denen es in der Alltagssprache eine Fülle gibt, sind einmal die 'notwendigen Metaphern'. Sie treten ein, wenn die Sprache für die Bezeichnung einer Sache keine eigentliche Benennung kennt. Notwendige Metaphern entstehen stets von neuem, wenn das Bedürfnis nach Benennung neuer Sachen und Phänomene auftritt, auch in Wissenschaft und Technik. Zu diesen metaphern treten die verblassten, konventionalisierten, selbstverständlichen Metaphern (auch Ex-Metaphern, tote Metaphern). Die bewussten Metaphern werden ihrer poetischen, stilistischen Wirkung wegen gesetzt. Die Metapher ist Kennzeichen schöpferischer Fantasie, sie kann für den Grad der Versinnlichung und der Vergeistigung einer Aussage bedeutsam sein. -> Metonymie, Synonym
Metonymie [griech. 'Namensvertauschung']: Figur, bei der zwei in räumlicher, zeitlicher oder ursächlicher Beziehung zueinander stehende Begriffe vertauscht werden. -> Kenning
Motto [ital. von spätlat. muttum 'Wort', eigentlich 'Muckser']: Wahl- oder Leitspruch, z.B. Satz, der einem Buch oder Kapitel zur Kennzeichnung des Inhalts oder der Absicht des Verfassers vorangestellt wird.
Parabel [lat. parabola 'Gleichnis', eigtl. 'das Nebeneinanderwerfen']: Poetische Ausdrucksform, bei der allgemeine moralische Wahrheiten durch näher beschriebene, wie in einem Gleichnis zu deutende Vorgänge aus dem menschlichen Leben veranschaulicht werden. In der Parabel sind wie in der Allegorie alle Einzelteile ausdeutbar. Sie bedürfen, zumindest in den Hauptzügen, der Auslegung durch den Autor der Parabel, während das Gleichnis den Analogischluss (so .... wie) selbst erklärt. Das Gleichnis kann daher auch als eine erzählerisch ausgeführte Parabel betrachtet werden. Die Parabel steht auch der Fabel nahe, die ihre Stoffe jedoch der Natur und dem Tierleben entnimmt.-> Gleichnis, Analogie
Paradigma [griech.] Philosophie: nach Platon sind Paradigmen die Urbilder der sinnlich wahrnehmbaren Dinge. Sie werden für ewig, unveränderlich und ermöglichend gehalten, während die nach ihnen gestalteten innerweltlichen Dinge veränderlich und vergänglich sind. [...] In der Spätphilosophie von Ludwig Wittgenstein sind Paradigmen 'Muster' oder 'Standards', nach den die Erfahrung verglichen und beurteilt wird. Die Paradigmen gehen der Erfahrung voraus und ermöglichen unsere Orientierungen.
Perspektive [zu spätlat. perspectivus 'durchblickend']: bildungssprachlich für: 1) Betrachtungsweise, -möglichkeit von einem bestimmten Standpunkt aus, Blickwinkel; 2) Aussicht, Erwartung für die Zukunft. Darstellende Geometrie und Bildende Kunst: die zweidimensionale, ebene bildliche Darstellung dreidimensionaler (räumlicher) Objekte mit Hilfe einer Zentralprojektion [...] die dem Betrachter ein anschauliches ('naturgetreues') Bild des Objekts vermittlen, d.h. den gleichen Bildeindruck hervorrufen soll wie das Objekt selbst. -> Projektion
Piktogramm [zu lat. pingere, pictum 'malen']: Bildsymbol, allgemein verständliche, stilisierte bildliche Darstellung zur (von Schrift und Sprache unabhängigen) Informationsvermittlung [...] -> Ikonologie
Projektion [lat. proiectio 'das Hervorwerfen']: Geometrie: allgemein jede surjektive Abbildung [...]. Ökonometrie: Aussage über den Verlauf einer zukünftigen Entwicklung bzw. über den zukünftigen Wert ökonomischer Variablen. Psychologie: das Hinausverlegen subjektiver Einstellungen in Personen, Gegenstände oder Situationen der Aussenwelt. [...]
Synonym [griech.]: Wort, das mit einem anderen Wort oder mit einer Folge von Wörtern derselben Sprache bedeutungsgleich, -ähnlich oder sinnverwandt ist.
Symbol [lat. symbolum, von griech. symbolon '(Kenn)zeichen' eigentlich 'Zusammengefügtes' (nach den zwischen verschiedenen Personen vereinbarten Erkennungszeichen, die, aus Bruchstücken zusammengesetzt, ein Ganzes ergeben)]: [...] ein wahrnehmbares Zeichen, bzw. Sinnbild (Gegenstand, Handlung, Vorgang) das stellvertretend für etwas nicht Wahrnehmbares (auch Gedachtes bzw Geglaubtes) steht.
Vergleich Rhetorik: rhetorische Figur zur Steigerung der Anschaulichkeit einer Aussage, wobei mit Hilfe von Vergleichswörtern zwischen zwei Wirklichkeitsbereichen, die in einem Punkt Übereinstimmung aufweisen müssen, eine Beziehung hergestellt wird.
Quelle: Brockhaus Die Enzyklopädie,  Ausgabe 1996
































 
Gott [ahd. got, vielleicht eigtl. >das (durch Zauberwort) angerufene Wesen<, zu einem indogerman. Verb mit der Bedeutung >anrufen<], in der Religionsgeschichte heilige, transzendente und unendl. Macht in personaler Gestalt. Gott wird erfahren und gelehrt als Schöpfer und damit Ursache allen Naturgeschehens, als Herr über Leben und Tod, der in die Welt eingreift, das Schicksal der Menschen lenkt (in geistiger Form, durch Boten, z. B. Engel, oder indem er ird. Gestalt annimmt) und als Richter am Ende der Zeiten auftritt, als erhaltender Urgrund von allem, was ist, als normativ für das sittl. Verhalten der Menschen, als Ggs. zum Irdischen, das schlechthin Andere. Viele zur Charakterisierung des Göttlichen gewählte Bestimmungen (>Person<, >männlich(, >weiblich( u.a.) sind den menschlichen Verhältnissen nachgebildet (anthropomorph) und gelten daher nur metaphorisch. Gott wird )gerufen<, Formen seiner Präsentation sind sein als heilig geltender Name sowie häufig auch sein Bild. Die Fülle göttl. Qualitäten und Prädikate vereinigt der Monotheismus auf eine einzige Gottheit, während der Polytheismus die göttl. Funktionen als auf versch. Gottheiten verteilt annimmt.
Polytheist. Götter genießen seitens des Menschen keine einheitl., sondern eine sehr differenzierte Verehrung. Häufig findet sich innerhalb des Polytheismus ein subjektiver Monotheismus, der dem Gläubigen, v. a. beim Gebet, den von ihm verehrten Gott als alleinigen erscheinen lässt, auf den er die Attribute anderer Gott überträgt. Diese Erscheinung wird als Henotheismus bezeichnet. Die Geschichte Gottes vermittelt in den polytheist. Religionen der Mythos, im Monotheismus verleihen die hl. Schriften der göttl. Offenbarung Ausdruck, durch sie werden die Geschichte und der Wille Gottes mit und für den Menschen erfahrbar.
Der Gottes-Glaube ist kennzeichnend und von zentraler Bedeutung für die Vorstellungswelt fast aller Religionen. Die Frage nach dem Ursprung von Gottes-Vorstellungen wird i. Allg. mit der Frage nach dem Ursprung der Religion gleichgesetzt und hat in der Geschichte der Religionsforschung zu unterschiedl. Hypothesen geführt. EUHEMEROS VON MESSENE sah den Gottes-Glauben in der Verehrung früherer ird. Herrscher und als weise geltender Menschen gegründet (->Euhemerismus). In neuerer Zeit sind über den Ursprung des Gottes-Glaubens verschiedene evolutionist. Theorien aufgestellt worden. So vertrat E. B. TYLOR Mit seinem ->Animismus die Ansicht, die Gottes-Vorstellung habe sich aus einem primitiven Glauben an Allbeseeltheit, an Geister in jeder Form, entwickelt. Demgegenüber sieht der Dynamismus die von ihm meist mit dem nielanes. Wort —>Mana bezeichnete unpersönl. und übernatürl. Macht als primäres religiöses Erlebnis an; ein solcher Machtbegriff sei dann in die Vorstellung eines persönl. Gott übergegangen. In der neueren Forschung zeigt sich zunehmend die Abwehr eines ->Evolutionismus, der die Entwicklung der Religion aus primitiven Anfängen des Seelen- oder Machtglaubens bis zum Monotheismus meinte verfolgen zu können. Häufig vorherrschend ist heute die Annahme eines ursprüngl. Hochgottglaubens. Am bekanntesten ist die von dem Ethnologen WILHELM SCHMIDT vertretene Urmonotheismustheorie geworden, die von der Uroffenbarung des einen (christl.) Gott ausgeht und dann die allgemeine Religionsgeschichte unter der Perspektive des Verlustes dieser Offenbarung sieht. Demgegenüber versucht die historisch-empirisch orientierte Religionswiss. die histor. Rahmenbedingungen zu erfassen, unter denen bestimmte Typen von Gottes-Vorstellungen aufgetreten sind. So sei eine Trennung zw. unpersönl. und persönl. Gottes-Vorstellung erst möglich, wenn die kulturellen Bedingungen )Person( als Deutungskategorie zulassen.
Der Gottes-Begriff der Bibel ist monotheistisch, unterscheidet sich vom religionsgeschichtl. Monotheismus jedoch durch eine Transzendenz, die alles Räumliche, Zeitliche, überhaupt Welthafte übersteigt. Gott ist der absolute Schöpfer und Herr des Kosmos, eine Theogonie ist undenkbar. Kenntnis von Gott gewinnt der Mensch ausschließlich aus der sich in Schöpfung und Geschichte erschließenden Selbstmitteilung (Offenbarung)  Gottes; erst die jüd. Scholastiker wie MAIMONIDES, ABRAHAM BEN DAVID IBN DAUD u.a. hielten Gottes Dasein, Einheit und Unsterblichkeit für beweisbar. Das jüd. Gottesverständnis wird v. a. durch die Aussagen über Gott in 2. Mos. 3,14, der Selbstoffenbarung seines Namens (hebr. Jahwe: >ich werde sein, der ich sein werde< und in 2. Mos. 20,1-7, der Gesetzgebung im Sinai, bestimmt (Gott ist der Herr, der Heilige, der Eine, der Barmherzige, der Zornige. Der Mensch soll und kann sich kein Bild von ihm machen). Gott wird als der Gott Israels bezeugt. Nach christl. Gottes-Verständnis hat sich Gott als der Gott aller Völker in einmaliger und vollkommener Weise in JESUS CHRISTUS offenbart. Dieser ist nach neutestamentl. Verständnis das alleinige Bild Gottes (Kol. 1, 15), nur in ihm kann der Mensch Gott erkennen; in CHRISTUS ist Gott Mensch (>Fleisch< geworden (Joh. 1, 14). Von zentraler Bedeutung für das christl. Gottes-Verständnis ist die Aussage >Gott ist Liebe< (1. Joh. 4,8. 16.), die in ihrer Entfaltung Gott als den liebenden Vater beschreibt, der denen, die an ihn glauben, durch seinen Sohn JESUS CHRISTUS das ewige Leben schenken wird.
Die kath. Theologie hat (auf der Grundlage der Hellenisierung des frühen Christentums) durch den Versuch, Gott und Gottes-Erfahrung mit den Mitteln der v.a. platonisch-aristotel. Philosophie zu verstehen, vieles von der dynamisch-geschichtl. Gottes-Vorstellung der Bibel an ein philosoph. Seinsdenken verloren. Obwohl die Kirche schon in den christolog. Auseinandersetzungen des 4. Jh. (-Christologie, —>JESUS CHRISTUS) die massgebl. Gestalt ihrer Gottes-Lehre mit den Aussagen über Gottes dreifaltiges Wesen und Wirken in Schöpfung, Erlösung, Heiligung und Vollendung gefunden hatte, blieb die ->Trinität (v. a. in der westl. Kirche) als Ursprung der Heilsgeschichte weitgehend von den philosoph. Systembildungen über Gott als das >Sein an sich< (>ens a se<, das dem geschaffenen Sein (>ens ab alio< als >das ganz andere< gegenübersteht, und über seine philosoph. Beweisbarkeit verdeckt. Erst die kath. Gegenwartstheologie besinnt sich wieder stärker auf die existenziellen Aussagen der Bibel über Gott (>Gott hilft<, >Gott ist da< usw.).
Die Gottes-Lehre und -Anschauung der reformator. Kirchen sind im Wesentlichen ein Spiegelbild der verschiedenartigen Theologien der drei Hauptreformatoren LUTHER, CALVIN und ZWINGLI. Gemeinsam ist ihnen der Ausgangspunkt in der Christologie. - Für LUTHER ist Gott in der Natur und dem Gesetz verborgen (Deus absconditus), dagegen offenbart er sich im paradoxen Geschehen des Leidens und Sterbens seines Sohnes am Kreuz (Deus revelatus; Theologia crucis). LUTHER betont deshalb in bewusstem Ggs. zur kath. Tradition die existenzielle Bedeutung von Gnade, Macht und Wirksamkeit Gottes. - Nach CALVIN vermag der Mensch Gott nicht adäquat zu erkennen, wenn dieser sich ihm nicht in seinem Wort (d.h. in JESUS CHRISTUS) erschließt. Gottes Handeln geschieht um seiner eigenen Ehre und Selbstverherrlichung willen, die sich sowohl in erwählender Liebe als auch in strafender Verdammung (->Prädestination) manifestieren kann, - ZWINGLI bezeichnet zwar Gott im Sinne der scholast. Tradition als Summum Bonum (höchstes Gut) betont aber v. a. die sich dem Menschen zuwendene Güte Gottes in JESUS CHRISTUS. Für ihn kann nur Gott durch seine Gnade kirchl. und polit. Missstände beseitigen. Darum trägt ZWINGLIS Gottes-Bild mehr als das LUTHERS und CALVINS Züge, die ins Politische und Soziale hineinreichen.
Der Atheismus des 19. Jh. sieht Gott als Selbstprojektion des Menschen (L. FEUERBACH) bzw. als Ausdruck eines verkehrten Weltbewusstseins und der Protestation gegen das Elend der entfremdeten Existenz an (K. MARX); einzelne Entwürfe der -Existenzphilosophie des 20. Jh. verzichten ganz auf Gott und sehen den Menschen in unbegrenzter Freiheit ins (unbehauste) Sein geworfen (J.-P. SARTRE).
Völkerkunde: Viele, auch sehr alte Religionen wie die mancher Ureinwohner Australiens (Aborigines) oder der Buschleute beinhalten den Glauben an ein höchstes Wesen, einen Schöpfer oder Vorfahren der Menschheit oder des speziellen Volkes, häufig >Unser aller Vater< o.Ä. genannt, etwas seltener eine Muttergottheit, oft ein göttl. Paar (Unsere Eltern<). Neben diesen Schöpfergottheiten stehen höhere Wesen, die an der Gestaltung der Erde beteiligt waren und bes. der einzelnen Kultur wesentl. Gesetze, Institutionen u.a. wie Feuer oder Anbaupflanzen gegeben haben (-Kulturheros).
Quelle: Brockhaus Die Enzyklopädie,  Ausgabe 1996